Kirchen des Historismus – auch heute noch zeitgemäß?

Samstag, 14. 11. 2020
17:00 Uhr
Roncalli-Haus
Friedrichstraße 26–28
65185 Wiesbaden

Prof. Dr. Wolfgang Brönner,
Dr. Meinrad v. Engelberg,
Dr. Herbert Fendrich,
Dr. René Hartmann
Moderation: Nikolas Werner Jacobs

Podiumsdiskussion:
Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in einer Situation des Umbruchs:
Die sinkende Zahl an Mitgliedern und Kirchgängern stellt die Kirche vor die Frage, wie künftig mit Sakralbauten in jenen Regionen umgegangen werden soll, die besonders stark von dieser Entwicklung betroffen sind. Kirchenschließungen und Profanisierungen werden teilweise die Folge sein.
Die entscheidende Frage lautet hierbei: Welche Kirchen sollen erhalten bleiben? Und nach welchen Kriterien entscheidet man das? Zur Diskussion stehen vor allem Bauten aus den Epochen, in denen die Gemeinden stark anwuchsen und viele Neubauten entstanden, also aus der Zeit des Historismus im 19. Jahrhundert und der Nachkriegsmoderne. Während es sich bei den einen oft um stadtbildprägende Großbauten handelt, deren besondere Ausstrahlung die Identifikation mit ihnen erleichtern, aber liturgisch oftmals nicht den heutigen Anforderungen entsprechen, sind die anderen zwar der Größe und der Liturgie nach funktionaler, aber erfüllen mitunter nicht auf die selbe Weise die emotionalen Erwartungen der Gemeindemitglieder.
So wird ein halbes Jahrhundert nach der kunsthistorischen „Wiederentdeckung“ des Historismus dessen historischer „Wert“ in Bezug auf den Kirchenbau in jüngster Zeit wieder verstärkt in Frage gestellt und damit eine der zentralen Baugattungen der Epoche. Grund genug für unseren Verein, dem Thema einen eigenen Abend zu widmen: Vier Experten, die sich seit vielen Jahren mit den kunsthistorischen, denkmalpflegerischen und kirchenpolitischen Aspekten dieses Themas auseinandersetzen, werden sich aus verschiedenen Perspektiven diesen brisanten und kontrovers diskutierten Fragen stellen. Die Podiumsdiskussion soll dabei einen Beitrag leisten, Wege und Lösungen für die Zukunft aufzuzeigen, welche die unterschiedlichen Erwartungen und Anforderungen an die Kirchengebäude berücksichtigen.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden, Untertaunus und Rheingau.

Wolfgang Brönner war Direktor des Landesamts für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz und ist seit 1999 apl. Professor an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Architektur des Historismus, sein in mehreren Auflagen erschienenes Buch über „Die Bürgerliche Villa in Deutschland“ zählt zu den Standardwerken der Historismus-Forschung.

Meinrad v. Engelberg ist seit 2008 Akademischer Rat am Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt, betreut dort den Nachlass des Architekten Otto Bartning und ist seit 2018 Vorstandsmitglied im Förderverein. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Architektur des Historismus und die Entwicklung des Sakralbaus.

Herbert Fendrich ist studierter Theologe, promovierter Kunsthistoriker und Experte für das Schnittfeld von Religion und Kunst. Bis 2019 war er bischöflicher Beauftragter für Kirche und Kunst und Leiter der Abteilung Glaube, Liturgie und Kultur im Dezernat Pastoral im Bistum Essen.

René Hartmann ist promovierter Kunsthistoriker und Experte für die Architektur der Moderne. Als Projektleiter bei der Wüstenrot Stiftung beschäftigt er sich unter anderem mit der Zukunft von Kirchenbauten aus der Nachkriegszeit aus denkmalpflegerischer Sicht.

Nikolas Werner Jacobs promoviert gegenwärtig am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München und hat sich in seinem Studium mehrfach mit der Architektur und Kunst des 19. Jahrhunderts beschäftigt. Seit 2018 ist er Vorsitzender des Fördervereins und stellvertretender Vorsitzender der Ludwig-Knaus-Gesellschaft e.V.


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