Denkmal und Landschaft

Zwischen bürgerlichem Denkmal und Nationalmonument in Deutschland im 19. Jahrhundert

Donnerstag, 07. 05. 2020
18:00 Uhr
Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Georg-Forster-Gebäude
Jakob-Welder-Weg 12
55128 Mainz

Prof. Dr. Valentin Hammerschmidt
Vortrag:
Im 19. Jahrhundert gerät die Landschaft in den Sog der Nationalitätskonstruktion; diesem Maßstab müssen die Monumente sich anpassen. Andererseits dringt das Paradigma der Landschaft in die expandierenden Städte ein, wo oft die plastische Ausstattung als Gestaltungselement vor jeder inhaltlichen Festlegung eingeplant wird.
In bestimmten historischen Situationen kann grundsätzlich jedes Denkmal nationale Konnotationen aufnehmen; doch spiegeln sich darin auch die unterschiedlichen Richtungen und Auffassungen vom entstehenden Nationalstaat. Unter der Dominanz der bismarckschen Machtpolitik wird schließlich ein Gefühl von Bedrohung zum Grundkonsens, dessen Symbol Siegfrieds Schwert ist.
Die Denkmäler im 19. Jahrhundert durchqueren die verschiedenen Gattungen: von Skulpturen über Parks, von Architekturen zu landschaftlichen Anlagen; sie sind darin Teil der Stilentwicklung: vom Klassizismus über Historismus bzw. Realismus zu einem vorhistorischen „Archaismus“ (D. Joseph) bzw. Symbolismus, verbunden mit dem Schritt zur Moderne. – Es wäre zu diskutieren, ob bzw. wieweit die Stile von Skulpturen und von Bauten einer bestimmten Rhetorik folgen und damit bereits eine bestimmte Aussage enthalten.

Valentin Hammerschmidt war von 1992 bis 2016 Professor für Architekturgeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege an der HTW Dresden und von 2015 bis 2017 Gastprofessor an der Bauhaus-Universität Weimar. Zu seinen Forschungs­schwerpunkten zählen das Werk Gottfried Sempers, der Späthistorismus sowie die Geschichte des Landschaftsgartens.


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